Besuch des Konzentrationslagers „Buchenwald“

Das Bärengehege befand sich direkt vor dem Zaun des Konzentrationslagers Buchenwald. Eltern konnten mit ihren Kindern die Tiere betrachten, während die Feinde des NS-System direkt hinter ihnen wie Tiere gehalten wurden. Diese unheimliche Nähe von Vergnügen und Verfolgung fällt auch den Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse sofort auf.

Eigentlich sollte es kein Thema mehr sein, welches von so erschreckender Aktualität ist, aber immer mehr Menschen sehnen sich in unserer Gesellschaft nach einer Regierung, die endlich „einfach mal durchregiert“. In manchen Kreisen ist es sogar nicht mehr Anlass sich zu empören, wenn von „Volksverrätern“ gesprochen wird.

In Buchenwald lässt sich erfahren, wohin so etwas führen kann, auch wenn manche behaupten, dass es sich scheinbar nur um vollkommen losgelöste Vergangenheit handelt. Die beiden 9. Klassen der Freien Gesamtschule „Gustav Adolf“ brachen am 14. März gemeinsam mit Pfarrer Pra auf, um am Beispiel des Konzentrationslagers Buchenwald der historischen Lehre nachzugehen, wie das Unrecht zu Recht in den Konzentrationslagern umgedeutet werden sollte. Wie Menschen zu Tode gequält wurden, die sich dem Hitler-Gruß verweigerten. Wie weibliche Gefangene gezwungen wurden, sich im Lager zu prostituieren, um 75 Prozent der Bezahlung wieder an die Täter abzugeben. Die Perversion der Sparsamkeit, teilweise die Gefangenen lieber zu hängen, um die Kosten für die Munition zu sparen. Alles dokumentiert in schmerzlich genauer Bürokratie, die sich an angebliche Ordnung und Regeln hielt und dabei selbst schlimmste Verbrechen dokumentierte.

Pfarrer Pra gab sich die beste Mühe, die Menschen dieses Ortes wieder vor den Augen der Schüler auferstehen zu lassen.  Das Leid. Die Kälte der viel zu dünnen Kleidung. Die Brutalität der Wachmannschaften. Der Stolz der Gefangenen, sich nicht einfach dem Willen der Täter zu unterwerfen. Ihre Hoffnung zu überleben, auch im Angesicht des rauchenden Krematoriums. Das Alles schilderte Pra, doch am Ende kann man nicht in die Köpfe der Schülerinnen und Schüler hineinschauen. Aber es wäre wünschenswert, wenn sie die Parallelen erkennen. Schließlich muss nicht mühsam daran durch Denkmäler erinnert werden. Wer sich die Zahl der politischen Häftlinge weltweit vergegenwärtigt und die Angriffe auf die Gewaltenteilung, die Justiz und freie Presse in verschiedenen Regionen mitverfolgt, der muss es betrübt einsehen. Politische Gewalt ist kein Phänomen der Vergangenheit, sondern unserer Gegenwart.

Tim Reinke, Fachlehrer der FGS Lützen

05/2025